Elaira im Nebel


Man sagt, als der schwarze Nebel über Sesthar kam, war Elaira im Thronsaal.
Die Mauern bebten, die Wachen flohen, doch sie blieb. Sie saß auf dem Stuhl, der ihr nicht Heimat war, und legte die Hände in den Schoß. Ihr Haar war weiß wie Salz, ihre Augen fremd, als sähen sie schon über den Untergang hinaus.

Die, die noch lebten, schworen, sie hätten ihr Gesicht im Nebel gesehen – still, unbewegt, als sei sie Teil des Rauchs geworden. Manche sagten, er habe sie verschlungen. Andere, er habe sie fortgetragen, wie Wasser ein Blatt.

Ein Mann aus den Grenzlanden berichtete, er habe sie Wochen später an einem Fluss gesehen, barfuß, den Blick in die Ferne gerichtet. Eine Frau in den Bergen schwor, sie sei nachts in ihr Dorf gekommen, habe Brot genommen, aber kein Wort gesprochen, und sei wieder verschwunden.

Doch niemand konnte je mehr sagen. Kein Grab wurde gefunden, kein Körper, keine Spur.

So lebt die Mutmaßung:
Elaira starb nicht im Nebel.
Aber sie lebt auch nicht unter uns.
Sie ist ein Schatten, der nicht gefangen werden kann, ein Atemzug, den niemand hält.

Und manche flüstern, wenn der Nebel tief in die Täler sinkt:
Die Weiße geht noch immer, und der Nebel ist ihr Mantel.


Nach oben scrollen