Fragment: „Die Nacht der schwarzen Schatten“

Niemand schlief in dieser Woche.

Die Nacht kam früher. Nicht als Dunkelheit, sondern als Leere. Keine Sterne. Kein Mond.

Die Tiere flohen. Die Felder verwelkten nicht – sie verstummten.

Und die Kinder träumten von Dingen ohne Form.

Man sagte, sie kamen aus dem Süden, manche flach wie Rauch, andere wie zu lang gewachsene Gestalten, mit zu vielen Gliedern und einem Lachen, das nichts suchte. Sie nahmen nichts – sie waren einfach da. Wie ein Befall, der nicht tötet, sondern bleibt.

Drei Nächte vergingen. Drei Dörfer gaben sich selbst auf. Türen blieben offen, Kerzen brannten durch, Gebete verstummten.

Dann hörte man das erste Heulen.

Kein Ruf. Keine Warnung.

Sondern ein Versprechen.

Sie kam in der vierten Nacht, wie ein Schatten aus Silber. Ihre Augen leuchteten nicht – sie spiegelten nur.

Niemand wagte zu rufen, niemand trat hervor.

Aber die Kinder standen am Fenster. Und eines sprach später,

„Ich glaube, sie wusste, dass wir noch da waren.“

In der fünften Nacht hörte man kein Heulen. Nur ein Kreischen, das abrupt verstummte. Dann wieder Stille.

Am sechsten Tag regnete es. Kein Wasser. Etwas Dünneres. Etwas, das die Erde nicht aufnahm.

Und dann: der siebte.

Am Morgen trat ein alter Mann aus dem Haus. Er war blind, aber seine Füße führten ihn in die Mitte des Dorfes.

Dort lag sie.

Nicht als Jägerin, nicht als Göttin.

Sondern wie ein müder Körper.

Ihr Fell war grau geworden in der Woche. Ihre Flanken hoben sich flach. Ihre Augen waren geschlossen.

Doch sie atmete.

Und niemand wagte es, auch nur ein Wort zu sagen.

Sie blieb drei Tage. Niemand näherte sich. Niemand wagte es, den Ort zu verlassen.

Als sie ging, war nichts gesagt worden. Aber alle wussten:

Man hatte ihr Heim gegeben. Und sie hatte Wache gehalten.

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