Hinweis: Nicht alle Reiche sind bereits beschrieben. Manche Länder liegen noch im Schatten, andere nur als Namen in den Chroniken. Diese Sammlung wächst Schritt für Schritt.
Ich habe die Welt nicht gesehen.
Nicht ganz. Nicht vollständig. Nicht so, wie ich es mir mit sechzehn vorgestellt hatte, als ich mit einem zu schweren Rucksack, einem zu dünnen Mantel und einem Herzen voller Worte losging.
Ich wollte alles.
Die heißen Steine von Solas.
Den Nebel, der in Virenth lebt, als hätte er dort ein Zuhause.
Die Stimmen der Träumer in Vael’dor, die nie laut werden, aber dennoch bleiben.
Ich wollte jede Stadt, jeden Pfad, jede Geschichte, die in den Händen von Alten liegt oder in den Augen von Kindern leuchtet.
Ich wollte sie sammeln.
Nicht um sie zu besitzen.
Sondern, weil ich glaubte – und vielleicht noch immer glaube –, dass Erinnerung ein Band ist, das man nicht verlieren darf.
Diese Sammlung ist das, was übrig blieb.
Von einer Reise, die neun Jahre dauerte.
Neun Jahre, in denen ich nicht nur Landschaften durchschritt, sondern auch Menschen, Zweifel, Sprachen, von denen ich manche nie verstand, aber ehrte.
Ich habe vieles nicht gefunden, was ich suchte.
Einige Orte existierten nur auf Karten, andere nur in Erzählungen.
Manche Menschen wollten nicht sprechen. Andere erzählten zu viel.
Ich war nicht überall. Ich war nie zur rechten Zeit.
Und irgendwann – in einem Dorf, das keinen Namen trug – kam die Nachricht: Der Süden rüstet. Die Grenzen schließen.
Ich brach ab.
Nicht, weil ich wollte. Sondern weil die Welt mir sagte: Jetzt nicht.
Diese Sammlung ist kein Werk der Vollständigkeit.
Es ist ein Gewebe aus Eindrücken, aus dem, was ich sah, hörte, fühlte – und manchmal nur vermutete.
Ich versuchte, sachlich zu bleiben.
Wirklich.
Ich trug Tabellen, Jahreszahlen, Abstammungslinien zusammen.
Ich stellte Vergleiche an, ordnete, prüfte.
Doch dann war da dieses Geräusch – der Wind über den Dachsprossen von Teyrwyn. Oder das Kratzen eines Kindes, das auf Holz ein Symbol nachzieht, dessen Bedeutung es noch nicht kennt.
Und plötzlich schrieb ich keine Chronik mehr.
Sondern ein Bekenntnis.
Wenn du dies liest, bist du nun ein Teil davon.
Nicht meiner Reise – aber vielleicht einer eigenen.
Und wenn nicht, dann halte diesen Band einfach fest.
Vielleicht atmet er ein wenig von dem, was ich nicht sagen konnte.
Ich hoffe, eines Tages zurückzugehen.
Nicht, um abzuschließen.
Sondern um weiterzuschreiben.
Denn nichts, was lebt, ist je abgeschlossen.
Und nichts, was erinnert wird, ist ganz verloren.
— Seirin Avel
Ileryn, 1998
Das älteste und größte Kaiserreich, unterteilt in sechs Regionen.
Das Reich von Nyari
Von der Schlange gezeichnet, ein Reich der Schatten und der verbotenen Magie.
Das Reich von Lyra
Im Norden durch Gebirge geschützt, doch voller Geheimnisse, die kein Chronist ganz zu fassen vermag.
„Kein Reich besteht ewig, doch jedes hinterlässt Narben.
Diese Aufzeichnungen gelten den Ländern, ihren Herrschern und ihren Mauern.
Ich schrieb, was ich sah – und was man mich zu sehen zwang.
Möge der Leser in diesen Worten mehr finden, als ich zu fassen vermochte.“
— Seirin Avel
