Ich habe Träume.
Es fühlt sich seltsam an, diesen Satz zu schreiben. Fast zu hell. Fast zu einfach. Als gehörte er nicht ganz zu mir, nicht nach all den Texten über Abschiede, alte Türen, Entscheidungen und Dinge, die bleiben, obwohl sie längst vorbei sein sollten.
Und trotzdem stimmt er.
Ich habe Träume.
Nicht immer große. Nicht immer schöne im gewöhnlichen Sinn. Nicht diese glänzenden Bilder, die man anderen erzählt, damit sie nicken und sagen können: Das schaffst du schon. Manche meiner Träume sind klein. Fast unscheinbar. Ein ruhiger Morgen. Ein Tag, der nicht sofort nach dem nächsten fragt. Eine Nachricht, die nicht viel will, außer zu sagen: Ich habe an dich gedacht. Ein Raum, in dem nichts von mir verlangt wird, bevor ich überhaupt angekommen bin.
Ein Platz, an dem ich richtig bin.
Vielleicht ist das schon ein großer Traum.
Richtig sein.
Nicht nützlich. Nicht verständlich. Nicht stark. Nicht weniger. Nicht leiser. Nicht vorsichtig genug, damit niemand geht. Einfach richtig. So, wie man eben ist, mit allem, was zu viel wirkt, wenn man es an den falschen Ort trägt.
Manchmal träume ich von einer kleinen Hütte.
Nicht groß. Nicht besonders. Vielleicht in der Nähe eines Waldes, mit genug Abstand zur Welt, ohne ganz aus ihr zu verschwinden. Ein kleines Grundstück. Erde unter den Füßen. Bäume, die nicht fragen. Ein Fenster, an dem Licht steht. Ein Tisch, an dem ich schreiben kann, ohne im Hinterkopf schon den nächsten Morgen zu hören.
Dort müsste nichts schnell gehen.
Dort müsste ich nicht erklären, warum Schreiben manchmal leichter ist als Sprechen. Dort müsste ich nicht aus jedem Gefühl sofort einen klaren Satz machen. Dort könnte ich sitzen, schweigen, anfangen, abbrechen, wieder anfangen. Dort wäre die Welt vielleicht nicht heil, aber weit genug entfernt, um nicht ständig an die Tür zu klopfen.
Ich weiß nicht, ob das Hoffnung ist.
Vielleicht nicht.
Vielleicht träume ich, aber hoffe nicht.
Das klingt widersprüchlich. Als würde ich mir selbst nicht zuhören. Als wäre Träumen nur ein anderes Wort für Hoffen und ich würde versuchen, mich aus der Verantwortung eines helleren Satzes zu stehlen.
Aber für mich ist es nicht dasselbe.
Hoffnung hat etwas Zerbrechliches. Etwas, das sich zu nah an die Brust legt. Hoffnung erwartet. Nicht immer laut, nicht immer bewusst, aber sie wartet auf Erfüllung. Sie sagt: Es sollte geschehen. Es müsste doch möglich sein. Irgendwann muss es doch gut werden. Und wenn es nicht geschieht, wenn es nicht gut wird, dann bleibt etwas zurück, das sich anfühlt wie ein kleines Scheitern.
Als hätte man zu viel geglaubt.
Als hätte man sich lächerlich gemacht vor der Zukunft.
Träume sind anders.
Zumindest meine.
Sie stehen weiter weg.
Vielleicht sind sie gerade deshalb leichter. Sie verlangen nicht, dass ich sie morgen erreiche. Sie stehen irgendwo am Rand meines Lebens und leuchten nicht so hell, dass ich blind werde. Sie sagen nicht: Du musst. Sie sagen eher: Vielleicht.
Vielleicht irgendwann.
Vielleicht so oder anders.
Vielleicht nicht genau so, aber nah genug.
Ein Traum muss nicht sofort wahr werden, um eine Daseinsberechtigung zu haben. Er muss nicht jeden Tag beweisen, dass er erreichbar ist. Er darf dort sein, auch wenn ich noch weit entfernt bin. Er darf ein Bild bleiben, ohne gleich eine Aufgabe zu werden.
Und vielleicht ist das der Unterschied.
Hoffnung will gehalten werden.
Ein Traum kann warten.
Nicht für immer vielleicht. Aber lange genug, dass ich ihn nicht jeden Tag tragen muss. Lange genug, dass er mich nicht beschuldigt, wenn ich müde bin. Lange genug, dass er nicht verschwindet, nur weil ich heute nicht an ihn glauben kann.
Ich glaube nicht immer an die Zukunft.
Aber manchmal sehe ich sie.
Das ist vielleicht das Ehrlichste, was ich darüber sagen kann.
Ich sehe mich an einem Tisch. Ich sehe Papier, einen Bildschirm, irgendein halbvolles Glas, einen Wald vor dem Fenster. Ich sehe einen Ort, der nicht fragt, ob ich zu viel bin. Ich sehe einen Tag, der nicht sofort gegen mich arbeitet. Ich sehe Ruhe, nicht als großes Glück, nicht als endgültige Rettung, sondern als etwas Einfaches. Eine Tür, die geschlossen bleiben darf. Einen Morgen ohne inneren Lärm. Einen Abend, an dem Schreiben nicht aus Schmerz entsteht, sondern aus Stille.
Und wenn ich das sehe, wird der Tag manchmal leichter.
Nicht gut.
Nicht plötzlich.
Aber leichter.
Vielleicht reicht das.
Vielleicht müssen Träume nicht größer sein als dieser kleine Abstand zwischen mir und dem, was gerade schwer ist. Vielleicht müssen sie nicht beweisen, dass alles besser wird. Vielleicht dürfen sie einfach einen Raum öffnen, in dem ich für einen Moment nicht nur aus dem bestehe, was war.
Ich staune manchmal über mich.
Darüber, dass ich noch träume.
Nach allem.
Nicht, weil ich glaube, mein Leben sei schlimmer als das anderer. Nicht, weil ich aus meinem Schmerz etwas Besonderes machen will. Sondern weil ich weiß, wie oft in mir etwas müde geworden ist. Wie oft ich dachte, es wäre klüger, nichts mehr zu erwarten. Nicht zu weit nach vorne zu sehen. Nicht zu sehr an ein Danach zu glauben, das einen am Ende doch nur stehen lässt.
Und trotzdem sind da Bilder.
Nicht immer gewollt.
Nicht immer klar.
Aber da.
Eine Hütte. Ein Wald. Ein Satz, der gelingt. Ein Ort, an dem ich nicht falsch liege. Ein Mensch, der an mich denkt, ohne dass ich darum bitten muss. Ein Leben, in dem Ruhe nicht nur Pause ist, sondern Zuhause.
Vielleicht sind Träume deshalb gefährlich.
Weil sie zeigen, dass man noch etwas will.
Und wer noch etwas will, kann enttäuscht werden.
Aber vielleicht sind sie auch freundlich.
Weil sie nicht verlangen, dass man schon bereit ist. Weil sie nicht fragen, ob man stark genug ist. Weil sie nicht sagen: Wenn du mich nicht erreichst, war ich umsonst.
Ein Traum darf unerfüllt bleiben und trotzdem geholfen haben.
Hoffnung verzeiht das schwerer.
Vielleicht ist das ungerecht gegenüber der Hoffnung. Vielleicht habe ich ihr nie richtig vertraut. Vielleicht klingt sie mir zu sehr nach Versprechen, und ich habe gelernt, vorsichtig zu werden mit allem, was wie ein Versprechen klingt.
Aber Träume sind keine Versprechen.
Sie sind Möglichkeiten.
Nicht nahe genug, um mich zu bedrängen.
Nicht fern genug, um bedeutungslos zu sein.
Irgendwo dazwischen.
Vielleicht träume ich deshalb lieber, als dass ich hoffe.
Weil ein Traum mich nicht zwingt, morgen ein anderer Mensch zu sein. Weil er mir erlaubt, langsam zu bleiben. Weil er mir einen Ort zeigt, ohne mir vorzuwerfen, dass ich noch nicht dort bin.
Und vielleicht, ganz vielleicht, weil ich bei Träumen eher glauben kann, dass sie wahr werden könnten.
Nicht sicher.
Nicht bald.
Nicht ohne Umwege.
Aber irgendwie.
So oder so.
Vielleicht nicht die genaue Hütte. Vielleicht nicht der genaue Wald. Vielleicht nicht der genaue Tisch, den ich mir vorstelle. Aber vielleicht ein Raum. Eine Ruhe. Ein Leben, das näher an mir liegt. Ein Ort, an dem ich nicht ständig beweisen muss, dass ich bleiben darf.
Vielleicht ist das genug, um weiterzuträumen.
Nicht hoffnungsvoll.
Nicht hoffnungslos.
Irgendwo dazwischen.
Und irgendwo in diesem Dazwischen ist auch dein Schatten.
Nicht groß. Nicht laut. Nicht so, dass dieser Text schon von dir handeln müsste. Aber ich weiß, dass du dort bist, wie du in vielen Dingen bist, die ich nicht direkt benenne. Vielleicht, weil ich einmal glaubte, ich müsste für mehr als einen Menschen träumen. Vielleicht, weil manche Wünsche nicht allein einem gehören, wenn man jemanden verloren hat, der selbst welche hatte.
Aber noch will ich nicht darüber sprechen.
Noch will ich nur diesen einen Satz stehen lassen.
Ich habe Träume.
Er klingt ungewohnt.
Vielleicht sogar gefährlich.
Aber er ist wahr.
Und vielleicht ist das schon etwas.
Ich träume.
Selbst nach all dem, oder vielleicht genau deswegen.
Vielleicht sehen meine Träume deshalb auch nicht aus wie große Versprechen. Nicht wie etwas Glänzendes, das nach mir ruft und sagt: Komm her, hier wartet das bessere Leben. Meine Träume sind stiller. Sie haben keine laute Farbe. Kein Drängen. Kein großes Ziel, das ich erreichen müsste, um irgendwann sagen zu können: Jetzt ist alles gut.
Sie sind eher ein Ort.
Ein Bild.
Eine Ruhe, die ich kaum kenne und trotzdem sofort wiedererkenne.
Wenn ich an meine Träume denke, sehe ich eine kleine Hütte aus Holz. Schlicht. Nicht schön im übertriebenen Sinn, nicht besonders gemacht, um bewundert zu werden. Eher so, als wäre sie einfach da. Als hätte sie nie etwas anderes sein wollen als das, was sie ist. Klein genug, um nicht zu viel zu werden. Warm genug, um nicht verloren zu wirken. Echt genug, um nicht wie eine erfundene Zuflucht auszusehen.
Drinnen brennt ein Kamin.
Nicht dramatisch. Kein großes Feuer, nur dieses beständige Leuchten, das einen Raum still hält. Das Holz knackt manchmal. Der Wind zieht draußen am Haus entlang und lässt irgendwo ein Brett knarzen. Regen läuft am Fenster herunter. Nicht traurig, nicht bedrohlich. Eher so, als würde die Welt selbst sagen: Du musst jetzt nirgendwo hin. Du darfst drinnen bleiben.
Vielleicht ist genau das schon ein Traum.
Dass man bleiben darf.
Nicht weil man erschöpft ist.
Nicht weil man sich versteckt.
Nicht weil draußen etwas lauert.
Sondern einfach, weil Drinnensein genug ist.
Vor dem Fenster liegt der Wald.
Nah genug, dass ich ihn sehen kann, wenn ich aufblicke. Dicht. Ruhig. Kein Wald, der etwas von mir will. Kein Ort, der geprüft werden muss, kein Weg, den man zwingend gehen müsste. Er ist einfach da, wie eine Art stiller Rand der Welt. Alles liegt im Norden. Dort, wo die Sommer kurz sind, aber bedeutend. Nicht, weil sie länger dauern, sondern weil man sie spürt. Und wo die Winter lang sind, aber nicht grausam in meinem Traum, sondern ruhig. Wie ein Schweigen, das nicht weh tut.
Ich glaube, ich träume vom Norden, weil dort vieles einfacher wirkt.
Nicht leichter.
Aber klarer.
Dort muss nicht ständig etwas geschehen. Dort darf etwas ruhen. Dort darf Kälte einfach Kälte sein, ohne dass sie gleich Einsamkeit bedeutet. Dort darf Stille ein Zuhause sein und kein Beweis dafür, dass niemand da ist.
Und mitten in dieser Hütte steht ein großer, schlichter Schreibtisch aus Holz.
Das ist der wichtigste Ort.
Ich sehe mich dort sitzen, fast jedes Mal. Vor mir Papier oder ein Bildschirm, vielleicht eine Tasse, vielleicht nur meine Hände auf dem Holz. Hinter mir der Kamin. Vor mir das Fenster. Neben mir der Hund, der nichts fragt und nichts braucht, außer da zu sein. Seine Nähe ist nicht laut. Sie verlangt keine Erklärung. Sie ist einfach die Art von Anwesenheit, die den Raum voller macht, ohne ihn schwer zu machen.
Dort schreibe ich.
Aber anders als hier.
Nicht, weil ich dort plötzlich ein anderer Mensch wäre. Nicht, weil ich dort keine Wunden mehr hätte oder weil das Leben mich auf einmal verschonen würde. Eher, weil das Schreiben dort freier ist. Es hat keinen Adressaten. Es muss niemanden überzeugen. Es muss nichts beweisen. Es muss nicht erklären, warum ich so denke, so fühle, so bin. Es muss nicht sinnvoll sein, nicht nützlich, nicht schön genug, nicht fertig genug.
Dort dürfte Schreiben einfach Schreiben sein.
Ein Satz dürfte stehenbleiben, ohne etwas leisten zu müssen. Ein Gedanke dürfte auftauchen und wieder verschwinden, ohne dass ich ihn sofort ordnen muss. Worte müssten keinen Zweck erfüllen. Sie wären nicht Mittel, sondern Raum. Nicht Brücke, nicht Verteidigung, nicht Bitte, nicht Erklärung. Einfach nur Worte, weil es gut ist, dass sie da sind.
Vielleicht träume ich genau deshalb so oft von diesem Schreibtisch.
Nicht weil ich groß von Büchern oder Geschichten träume.
Sondern weil ich von Freiheit träume, die sich still anfühlt.
Von einer Sprache, die nicht aus Not entsteht.
Von einem Schreiben, das nichts retten muss.
Von einem Raum, in dem selbst Unfertiges bleiben darf.
Es geht bei diesem Traum nicht einmal nur um die Hütte.
Nicht wirklich.
Es geht um etwas Schwererfassbares. Um dieses „einfach sein“, das sich so leicht sagen und so schwer beschreiben lässt. Ein Ort, an dem nichts von mir gezogen wird. Kein ständiges Prüfen, was gesagt werden muss, was besser verschwiegen bleibt, was zu schwer ist, was man zumuten kann, was man tragen sollte, was andere halten könnten und was besser bei einem bleibt.
Ein Ort, an dem ich nicht überlegen muss, ob ich zu viel bin.
Ein Ort, an dem ich nicht nützlich sein muss, um bleiben zu dürfen.
Ein Ort, an dem niemand etwas von mir erwartet, bevor ich überhaupt angekommen bin.
Vielleicht ist das der eigentliche Traum.
Nicht die Hütte.
Nicht der Wald.
Nicht einmal das Schreiben.
Sondern dieses seltene Gefühl, einfach da sein zu können, ohne dass dieses Da-Sein sofort Arbeit wird.
Ich glaube, Zufriedenheit ist das Wort, das dem am nächsten kommt.
Nicht Glück in seiner großen, hellen Form. Nicht dieses leuchtende Bild, in dem endlich alles gut ist und alle Kämpfe zu Ende sind. So denke ich nicht über Glück. Vielleicht kann ich das auch gar nicht. Aber Zufriedenheit — das schon eher. Dieser leise Zustand, in dem man nicht fort will, nicht zurück will, nicht morgen schon fürchten muss. In dem nichts Großes geschieht, aber gerade deshalb etwas stimmt.
Ein Abend am Kamin.
Der Hund schläft.
Der Regen läuft noch immer am Fenster hinunter.
Draußen beugt sich der Wald im Wind.
Drinnen liegt ein angefangener Text.
Und nichts davon muss mehr sein, als es ist.
Vielleicht träume ich von genau diesem kleinen Frieden. Nicht von einem Leben ohne Schmerz, sondern von einem Leben, in dem Schmerz nicht alles ordnet. Nicht von einem Dasein ohne Vergangenheit, sondern von einem Ort, an dem die Vergangenheit nicht ständig an die Tür klopft. Nicht von einer Zukunft, die glänzt, sondern von einer Gegenwart, die atmet.
Und ja, auch in diesem Traum liegt eine Traurigkeit.
Wie sollte es anders sein.
Vielleicht gerade deshalb ist er warm. Weil er nicht so tut, als käme er aus einer Welt, in der nichts verloren wurde. Er kommt aus mir. Aus allem, was ich gesehen habe, was ich tragen musste, was ich nicht halten konnte, was ich noch immer mit mir herumtrage. Vielleicht ist diese Hütte auch deshalb so still, weil sie weiß, wie laut die Welt sonst sein kann.
Sie ist kein Gegenentwurf zu meinem Leben.
Eher eine Antwort darauf.
Nicht: So müsste alles sein.
Sondern: So dürfte etwas sein.
Und vielleicht reicht schon das, um einen Traum wahr zu machen, wenigstens für einen Augenblick. Nicht indem man dort wirklich schon lebt. Nicht indem schon alles entschieden oder erreicht wäre. Sondern indem dieses Bild in mir da ist und mich daran erinnert, dass ich nicht nur aus dem bestehe, was mich verletzt hat.
Da ist auch etwas anderes.
Eine kleine Hütte aus Holz.
Ein Kamin.
Ein Schreibtisch.
Ein Hund an meiner Seite.
Ein Wald im Norden.
Ein Himmel, bewölkt und ruhig.
Eine Welt, die nicht nach mir greift, sondern mich in Ruhe lässt.
Ein Raum, in dem ich nicht zu viel bin.
Ein Raum, in dem ich nicht einmal „richtig“ sein muss.
Nur da.
Vielleicht ist das mein Traum.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Und vielleicht ist gerade das genug, um weiterzuträumen.
Du hattest Träume.
Ich weiß nicht, warum dieser Satz so schwer ist. Vielleicht, weil er nach etwas Einfachem klingt. Nach etwas, das jeder Mensch haben darf. Nach Zukunft. Nach Bildern, die man in sich trägt, weil irgendwo ein Teil von einem noch glaubt, dass das Leben größer sein könnte als der Tag, den man gerade überstehen muss.
Aber bei dir ist dieser Satz nicht einfach.
Du hattest Träume.
Und keiner von ihnen kann mehr geschehen.
Das ist eine dieser Wahrheiten, die klein aussehen, bis man sie wirklich berührt. Dann merkt man, wie viel darin liegt. Nicht nur, dass du gegangen bist. Nicht nur, dass du fehlst. Sondern dass mit dir auch alles gegangen ist, was noch hätte kommen können. Die Jahre, die dich verändert hätten. Die Orte, an denen du hättest stehen können. Die Tiere, die du vielleicht eines Tages bei dir gehabt hättest. Die stillen Morgen, die dich vielleicht nicht geheilt, aber empfangen hätten.
Du hast einmal davon gesprochen, viele Tiere zu haben.
Hunde. Katzen. Wesen, die da sind, ohne Fragen zu stellen. Die nicht verlangen, dass man erklären kann, warum ein Tag dunkel ist. Die bleiben, wenn man selbst der Welt nicht entgegentreten kann. Die neben einem liegen, atmen, warten, schauen, als wäre Anwesenheit die selbstverständlichste Sprache der Welt.
Ich glaube, ich verstehe diesen Traum heute besser als damals.
Vielleicht, weil ich selbst inzwischen weiß, wie viel es bedeuten kann, wenn etwas einfach da ist. Nicht um zu retten. Nicht um zu lösen. Nicht um einem zu sagen, dass alles gut wird. Nur da. Warm. Lebendig. Ohne Urteil. Ohne Eile. Ohne die Erwartung, dass man sich erst richtig ausdrücken muss, bevor man bleiben darf.
Du hast von einem Leben weitab von allem geträumt.
Von Natur.
Von einem Tag, der dich willkommen heißt, egal was ist.
Auch das verstehe ich.
Vielleicht zu gut.
Denn ist das nicht einer der größten Träume überhaupt? Nicht Reichtum. Nicht Glanz. Nicht ein Leben, das anderen beweist, dass man es geschafft hat. Sondern ein Tag, der einen nicht abweist. Ein Morgen, der nicht fragt, ob man stark genug ist. Ein Ort, der nicht sofort etwas von einem will. Eine Welt, die nicht drängt, nicht zieht, nicht fordert, sondern sagt: Du darfst hier sein, auch wenn du heute nichts kannst außer atmen.
Du hattest solche Träume.
Vielleicht mehr als ich.
Vielleicht klarer als ich.
Vielleicht hast du an Dinge geglaubt, die ich nur aus der Ferne ansehen konnte. Und vielleicht ist genau das der Teil, der weh tut. Dass du Träume hattest und trotzdem gegangen bist. Dass sie dich nicht gehalten haben. Dass sie nicht schwer genug waren, um dich hier zu behalten. Oder dass das Dunkel einfach schwerer war als alles, was noch hätte kommen können.
Ich weiß, dass Träume niemanden retten müssen.
Vielleicht können sie das gar nicht.
Aber lange hat sich genau das falsch angefühlt.
Denn wenn Träume nicht retten, was sind sie dann? Wenn jemand wie du sie haben konnte und trotzdem nicht blieb, warum sollte ich ihnen trauen? Warum sollte ich meine eigenen Bilder ernst nehmen, wenn deine nie Wirklichkeit werden durften? Warum sollte ausgerechnet ich weiterträumen dürfen, ich, der oft weniger glaubte, weniger sah, weniger wagte?
Es fühlte sich ungerecht an.
Manchmal fühlt es sich noch so an.
Als hättest du die Träume mehr verdient. Als hätte die Welt zuerst deine erfüllen sollen, bevor sie mir überhaupt erlaubt, meine auszusprechen. Als wäre es falsch, dass in mir noch Bilder wachsen, während deine Zukunft stehen geblieben ist. Als müsste ich mich entschuldigen für jede Hütte, jeden Wald, jeden ruhigen Morgen, den ich mir noch vorstellen kann.
Und vielleicht habe ich deshalb lange geglaubt, ich müsste für dich mitträumen.
Nicht schön.
Nicht leicht.
Eher wie eine Pflicht, die sich als Liebe verkleidet hat.
Als dürfte nichts von dir verschwinden. Als müsste ich deine Möglichkeiten irgendwo aufbewahren, weil sonst nicht nur du fehlst, sondern auch alles, was du noch hättest werden können. Als wäre Vergessen nicht nur, deinen Namen nicht mehr zu sagen, sondern auch deinen Träumen weniger Gewicht zu geben.
Ich hatte Angst davor.
Ich habe sie noch.
Dass ich eines Tages meine eigenen Träume träume und deine dabei leiser werden. Dass ich einen Ort finde, an dem ich atmen kann, und darin liegt kein Platz mehr für das, was du dir gewünscht hast. Dass ich glücklich sein könnte und es sich anfühlt, als hätte ich etwas von dir zurückgelassen.
Aber vielleicht ist das nicht wahr.
Vielleicht müssen deine Träume nicht verschwinden, damit meine da sein dürfen.
Vielleicht nehmen sie einander nichts weg.
Vielleicht ist es möglich, dass ich von einer Hütte träume, von einem Wald im Norden, von einem Schreibtisch, von einem Hund an meiner Seite — und dass irgendwo in diesem Bild auch etwas von dir weiterlebt. Nicht als Last. Nicht als Auftrag. Nicht als Schuld. Sondern als Erinnerung daran, dass du einmal Zukunft hattest.
Und dass diese Zukunft nicht wertlos war, nur weil sie nicht geschehen ist.
Das ist schwer zu glauben.
Aber vielleicht ist es wahr.
Vielleicht sind unerfüllte Träume nicht einfach nichts. Vielleicht verschwinden sie nicht vollständig, nur weil der Mensch, der sie trug, nicht mehr da ist. Vielleicht bleiben sie in denen zurück, die zugehört haben. Nicht vollständig. Nicht gerecht. Nicht so, wie es sein sollte. Aber als leises Bild. Als Schmerz. Als Wärme. Als Frage.
Ich kann deine Träume nicht erfüllen.
Nicht wirklich.
Ich kann nicht das Leben leben, das dir genommen wurde. Ich kann nicht für dich alt werden. Ich kann nicht an deiner Stelle weitab von allem wohnen und so tun, als wäre das ein Trost. Ich kann nicht Hunde und Katzen um mich sammeln und sagen: Siehst du, jetzt ist es gut. Nichts daran wäre gut genug. Nichts daran würde die Ungerechtigkeit aufheben.
Aber vielleicht muss ich das auch nicht.
Vielleicht ist Mitträumen nicht dasselbe wie Ersetzen.
Vielleicht bedeutet es nur, dass ich deine Träume nicht aus der Welt verbanne, nur weil sie weh tun. Dass ich sie ansehen darf. Dass ich sagen darf: Du wolltest das. Du hast dir das gewünscht. Da war etwas in dir, das noch Bilder hatte. Da war nicht nur Dunkel. Da war auch Sehnsucht nach einem Tag, der dich willkommen heißt.
Und vielleicht darf ich meinen eigenen Traum danebenlegen.
Nicht darüber.
Nicht statt deiner.
Daneben.
Eine kleine Hütte. Ein Kamin. Ein Schreibtisch. Ein Wald. Ein Hund, der neben mir schläft. Regen am Fenster. Wind im Holz. Ein Tag, der nichts von mir verlangt. Ein Ort, an dem ich nicht zu viel bin, weil dort niemand zählt, wie viel ich bin. Ein Ort, an dem ich einfach sein darf.
Vielleicht hätte dir dieser Ort gefallen.
Vielleicht auch nicht.
Vielleicht würdest du über manche meiner Vorstellungen lachen. Vielleicht würdest du sagen, dass ich mir natürlich einen Wald ausgesucht habe, natürlich Regen, natürlich einen Kamin, natürlich etwas, das aussieht, als könnte man dort verschwinden und trotzdem behaupten, man habe nur Ruhe gesucht.
Vielleicht hättest du recht.
Vielleicht wäre das sogar schön.
Nicht, weil es dich zurückholt.
Sondern weil ich dich darin für einen Moment nicht nur verliere.
Ich stelle mir manchmal vor, dass Träume Räume sind, die man nicht ganz allein betritt. Man nimmt alles mit, was man geliebt hat. Auch das, was man verloren hat. Auch die Menschen, die nicht mehr kommen. Sie sitzen nicht unbedingt neben einem. Sie sprechen nicht. Sie lösen nichts. Aber etwas von ihnen verändert das Licht.
Vielleicht bist du so in meinen Träumen.
Nicht als Schatten, der alles dunkel macht.
Eher als etwas, das mich daran erinnert, warum Ruhe wichtig ist. Warum ein Tier an der Seite mehr bedeuten kann als viele Worte. Warum Natur manchmal wie eine Antwort wirkt, obwohl sie nichts sagt. Warum ein Tag, der einen willkommen heißt, kein kleiner Traum ist, sondern vielleicht einer der größten.
Ich träume also weiter.
Das fühlt sich noch immer seltsam an.
Manchmal sogar falsch.
Aber weniger falsch als früher.
Vielleicht, weil ich langsam verstehe, dass meine Träume nicht gegen dich sprechen. Sie sagen nicht: Ich habe dich vergessen. Sie sagen nicht: Ich gehe weiter und du bleibst zurück. Sie sagen nicht: Meine Zukunft zählt mehr als deine verlorene.
Vielleicht sagen sie nur:
Ich bin noch hier.
Und etwas von dem, was du mir gezeigt hast, ist es auch.
Ich träume nicht, weil alles gut wurde.
Ich träume nicht, weil ich keine Schuld mehr kenne.
Ich träume nicht, weil dein Fehlen leichter geworden ist, als es sein sollte.
Ich träume, weil in mir noch ein Ort existiert, an dem etwas weich bleiben durfte. Weil ich trotz allem noch Bilder habe. Weil ich vielleicht nicht hoffen muss, um nicht ganz aufzuhören, nach vorne zu sehen.
Und vielleicht träume ich manchmal auch für dich.
Aber nicht mehr so, als müsste ich deine Zukunft tragen, weil ich meine sonst nicht verdient hätte.
Eher so, als würde ich eine kleine Kerze in ein Fenster stellen.
Nicht hell genug, um die Nacht zu ändern.
Nicht stark genug, um dich zurückzurufen.
Aber sichtbar.
Für dich.
Für mich.
Für das, was hätte sein können.
Für das, was vielleicht trotzdem noch werden darf.
Du hattest Träume.
Ich habe Träume.
Und zwischen diesen beiden Sätzen liegt etwas, das ich nicht lösen kann.
Vielleicht muss ich es auch nicht lösen.
Vielleicht darf es einfach dort liegen, wie Regen auf einem Fensterglas. Sichtbar. Leise. Nicht weggewischt. Und dahinter ein Wald, der wartet. Ein Kamin, der brennt. Ein Hund, der atmet. Ein Schreibtisch, an dem ich sitze und schreibe, nicht weil ich erklären muss, warum ich noch hier bin, sondern weil etwas in mir noch sprechen will.
Vielleicht ist das nicht Hoffnung.
Vielleicht ist es ein Traum.
Und vielleicht ist ein Traum manchmal sanfter als Hoffnung, weil er nichts fordert und trotzdem bleibt.
So wie du.
Nicht ganz.
Nie ganz.
Aber genug, dass ich dich nicht nur im Verlust suche.
Auch in dem, was ich mir noch vorstellen kann.
Vielleicht liest du das und weißt selbst nicht, warum du noch träumst.
Vielleicht hast du zu viel verloren, um es dir erklären zu können. Vielleicht bist du müde von Sätzen, die nach Zukunft klingen. Vielleicht hast du gelernt, vorsichtig zu werden mit allem, was hell ist, weil Helligkeit manchmal nur bedeutet, dass man den nächsten Schatten deutlicher sieht.
Und trotzdem ist da etwas.
Ein Bild.
Ein Wunsch.
Ein Ort, der vielleicht nie einen Namen hatte.
Ein kleines Vielleicht, das sich nicht vertreiben lässt.
Vielleicht ist dein Traum nicht groß. Vielleicht ist er nicht beeindruckend. Vielleicht würde niemand stehen bleiben, wenn du ihn laut aussprichst. Vielleicht ist es nur ein ruhiger Morgen. Eine Wohnung, in der du atmen kannst. Ein Mensch, bei dem du nicht überlegen musst, wie viel von dir zu viel ist. Ein Tier, das neben dir liegt. Ein Schreibtisch. Ein Garten. Eine Reise. Ein Zimmer mit Licht. Eine Nachricht, die sagt: Ich habe an dich gedacht.
Vielleicht ist dein Traum nur ein Tag, an dem du nicht kämpfen musst.
Und vielleicht denkst du, das sei zu wenig.
Ist es nicht.
Du träumst nicht falsch, nur weil dein Traum klein ist.
Vielleicht ist er gerade deshalb wahr.
Nicht jeder Traum muss die Welt verändern. Nicht jeder Traum muss aus großen Worten bestehen. Nicht jeder Traum muss so aussehen, dass andere ihn bewundern oder verstehen. Manchmal ist ein Traum nichts weiter als ein innerer Ort, an dem etwas von dir kurz aufatmen darf. Und vielleicht ist genau das viel.
Du musst deinen Traum nicht rechtfertigen.
Nicht vor denen, die ihn zu klein finden.
Nicht vor denen, die ihn zu groß finden.
Nicht vor denen, die fragen, wie realistisch er ist, als müsste jeder Wunsch zuerst eine Prüfung bestehen, bevor er in dir bleiben darf.
Dein Traum muss nicht beweisen, dass er möglich ist, um dir etwas zu bedeuten.
Er darf da sein.
Einfach da.
So wie du da sein darfst, ohne immer erklären zu müssen, warum.
Vielleicht hast du Angst, zu träumen, weil du weißt, wie weh es tun kann, wenn etwas nicht wahr wird. Vielleicht kennst du dieses Gefühl, einen Wunsch leiser zu machen, bevor jemand anderes es tut. Vielleicht hast du gelernt, lieber nichts zu erwarten, damit die Enttäuschung nicht noch einen Namen bekommt.
Das verstehe ich.
Aber ein Traum ist nicht immer eine Erwartung.
Manchmal ist er nur ein Licht.
Kein großes. Kein rettendes. Keines, das die ganze Nacht vertreibt. Nur eines, das für einen Augenblick zeigt, dass nicht alles schwarz ist. Dass in dir noch etwas wohnt, das nicht nur zurückblickt. Dass es noch einen Teil von dir gibt, der Bilder machen kann, obwohl das Leben ihm genug Gründe gegeben hätte, damit aufzuhören.
Ein Traum kann die schwärzeste Nacht nicht immer beenden.
Aber vielleicht kann er sie kurz erhellen.
Und manchmal reicht dieses Kurz, um weiterzugehen.
Du musst deinem Traum nicht hinterherjagen, als wäre er eine Schuld. Du musst ihn nicht erzwingen. Nicht herausfordern. Nicht jeden Tag beweisen, dass du genug dafür tust. Manche Träume brauchen keine Gewalt. Manche brauchen Zeit. Manche brauchen nur einen Menschen, der sie nicht wegwirft, nur weil sie gerade noch weit entfernt sind.
Vielleicht wird dein Traum nicht genau so wahr, wie du ihn zuerst gesehen hast.
Vielleicht verändert er seine Form.
Vielleicht wird aus der Hütte ein Zimmer. Aus der Reise ein Weg. Aus dem großen Glück eine kleine Ruhe. Aus dem Menschen, der bleiben sollte, ein Mensch, der noch kommt. Aus dem Leben, das du dir vorgestellt hast, ein anderes, das trotzdem näher an dir liegt als alles, was vorher war.
Das macht den Traum nicht falsch.
Es macht ihn lebendig.
Denn Träume sind keine Verträge mit der Zukunft. Sie sind keine Versprechen, die dich bestrafen dürfen, wenn du sie nicht rechtzeitig erfüllst. Sie sind eher Spuren. Richtungen. Kleine Zeichen in dir, die sagen: Dort könnte etwas sein, das dir entspricht.
Und vielleicht musst du nicht wissen, wie du dorthin kommst.
Noch nicht.
Vielleicht reicht es heute, dass du weißt, dass es diesen Ort in dir gibt.
Nur wir allein leben unser Leben.
So sehr andere Menschen auch wichtig sind. So sehr sie uns berühren, verletzen, halten, verlassen, retten oder verändern können. Am Ende gibt es einen Weg, den niemand für uns geht. Nicht die, die bleiben. Nicht die, die gegangen sind. Nicht die, die uns verstanden haben. Nicht die, die es nicht konnten.
Du bist der Mensch, der mit deinem eigenen Inneren weitergehen muss.
Mit deinen Erinnerungen.
Mit deinen Verlusten.
Mit deinen Fragen.
Und auch mit deinen Träumen.
Darum dürfen sie deine Form haben.
Sie müssen nicht aussehen wie die Träume anderer. Sie müssen nicht lauter sein, als du bist. Sie müssen nicht mutiger wirken, nicht klüger, nicht schöner, nicht größer. Sie müssen nur ehrlich sein.
Was willst du?
Nicht für alle.
Nicht für die, die dich beobachten.
Nicht für die, die meinen, du müsstest anders leben.
Nicht einmal für die Version von dir, die immer versucht hat, alles richtig zu machen.
Was willst du, wenn niemand sofort eine Antwort verlangt?
Wovon träumst du, wenn du für einen Moment nicht vernünftig sein musst?
Vielleicht ist die Antwort klein.
Vielleicht kommt sie kaum über die Lippen.
Vielleicht schämst du dich sogar dafür, weil sie so einfach klingt.
Ruhe.
Ein Zuhause.
Ein Mensch.
Ein Tier.
Ein Anfang.
Ein Ende.
Ein Tag ohne Angst.
Ein Ort, an dem du nicht verschwinden willst.
Dann ist das ein Traum.
Und er darf sein.
Du darfst träumen, auch wenn du traurig bist.
Du darfst träumen, auch wenn du nicht hoffst.
Du darfst träumen, auch wenn du schon oft enttäuscht wurdest.
Du darfst träumen, auch wenn jemand anderes seine Träume nicht mehr leben konnte.
Du darfst träumen, ohne dich dafür zu entschuldigen, dass in dir noch etwas nach vorne sieht.
Vielleicht ist genau das kein Verrat an dem, was war.
Vielleicht ist es eine leise Treue zu dem, was in dir nicht sterben wollte.
Nicht alles muss hell sein, damit ein Traum wahr ist.
Nicht alles muss heil sein, damit ein Wunsch ehrlich bleibt.
Nicht alles muss möglich wirken, damit es dich durch einen schweren Tag tragen darf.
Vielleicht träumst du nicht, weil du naiv bist.
Vielleicht träumst du, weil ein Teil von dir noch weiß, dass dein Leben nicht nur aus dem bestehen darf, was wehgetan hat.
Und falls du das selbst gerade nicht glauben kannst, dann lass diesen Satz für einen Moment hier stehen:
Du bist nicht allein.
Nicht mit diesem seltsamen Widerspruch, noch zu träumen, obwohl du müde bist.
Nicht mit der Angst, dass dein Traum zu klein, zu spät, zu zerbrechlich oder zu viel ist.
Nicht mit dem Gefühl, dass du gar nicht weißt, ob du noch hoffen kannst und trotzdem ein Bild in dir trägst, das nicht gehen will.
Vielleicht träumen viele Menschen genau so.
Leise.
Heimlich.
Fast beschämt.
Mit einem kleinen Licht in der Hand, das sie vor anderen verstecken, weil sie Angst haben, jemand könnte es ausblasen.
Aber dein Traum gehört dir.
Nicht denen, die ihn verstehen.
Nicht denen, die ihn bewerten.
Nicht denen, die ihn belächeln.
Nicht einmal denen, die ein Teil davon waren.
Dir.
Und vielleicht ist das genug.
Für heute.
Für diesen Abend.
Für diese eine Nacht.
Vielleicht musst du nicht sofort loslaufen. Vielleicht musst du nichts entscheiden. Vielleicht musst du nur zulassen, dass dein Traum bleiben darf, ohne dass du ihn kleiner machst.
Lass ihn da sein.
Lass ihn atmen.
Lass ihn ein Bild sein, wenn er noch kein Weg sein kann.
Vielleicht wird irgendwann etwas daraus.
Vielleicht anders, als du dachtest.
Vielleicht später.
Vielleicht leiser.
Vielleicht schöner, weil du nicht mehr versucht hast, ihn mit Gewalt zu erreichen.
Und bis dahin darfst du einfach sein.
Du und dein Traum.
Nicht falsch.
Nicht zu wenig.
Nicht zu spät.
Nur da.
Und manchmal beginnt genau dort etwas.
